Falsche MRP-Berechnung verursacht hohe Bestände und gleichzeitig viele Fehlteile

Veröffentlicht am 24. September 2020

Die häufigsten Störungen bei der Produktion sind nach wie vor Fehlteile – egal in welcher Branche. Andererseits haben viele Produktionsunternehmen mit hohen Lagerbeständen zu kämpfen. Wie kommt es zu diesem Widerspruch?


falsche-MRP-Berehnung

Falsche Ausgangsbasis für MRP-Berechnung

Die Terminierung des Materialbedarfs wird durch einen MRP-Lauf im ERP-System ermittelt.
Wie berechnet das ERP-System den Bedarfstermin?
Vom Liefertermin rückwärts wird das Timing für den Produktionsstart für Komponenten/Teile errechnet – unter zusätzlicher Berücksichtigung von Pufferzeiten.

  • Fehler 1: Berechnung des Start Timings für den Produktionsauftrag auf Basis von fixen Durchlaufzeiten. Nicht berücksichtigt dabei ist, dass in Wirklichkeit die Durchlaufzeit selbst für das gleiche Produkt variabel ist – abhängig von der Auslastung aller Prozesse und Ressourcen.
  • Fehler 2: ERP-Systeme berechnen Produktionspläne mit infiniten Kapazitäten. Das kann aber nur bei einfachen Produktionsprozessen funktionieren (z.B. ein kontinuierlicher Prozess über einen längeren Zeitraum). Aber wer hat heutzutage derart einfache Produktionsprozesse außer die Chemie- oder Ölindustrie? Die meisten Produktionsunternehmen haben komplexe Parallelprozesse – zusammenführende und sich verzweigende.

Somit ist der ERP-Output (unpräziser/unrealistischer Termin für Produktionsstart), die Ausgangsbasis für die Terminierung des Materialbedarfs (MRP-Berechnung), von vornherein falsch. Die Abweichungen gehen in beide Richtungen – entweder zu früh oder zu spät – und meist nicht nur um Tage, sondern um Wochen.

Die falsche Terminierung hat massive Auswirkungen auf die Bestandsmengen – ähnlich einem Teufelskreis. In der Konsequenz haben viele Unternehmen sowohl zu hohe Bestände als auch gleichzeitig Fehlteile.

 

Korrekte Produktionsplanung für richtige MRP-Berechnung

ERP-Systeme oder einfache Planungsmodule von MES-Systemen haben keine geeigneten Funktionen für die Ermittlung einer realistischen Produktionsplanung. Und von einer Optimierung der Reihenfolgeplanung für multiple synchrone Prozesse kann erst recht keine Rede sein.

Für die richtige MRP-Berechnung brauchen Produktionsunternehmen leistungsfähige APS- und SCP-Systeme mit nachstehenden Funktionen:

  • Optimierung der Reihenfolgeplanung für parallellaufende, zusammenführende und sich verzweigende Prozesse, um die Durchlaufzeit zu optimieren
  • Planung aller Ressourcen unter Berücksichtigung von mehrfachen Finitkapazitäten je Prozessschritt (Maschinen, Mitarbeiter, Vorrichtungen, Formen, …)
  • Berücksichtigung der Materialverfügbarkeit und -fluktuation für jeden Prozessschritt
  • Optimierungsfunktion der Reihenfolge, um Umrüstzeiten zu reduzieren bzw. die Ressourcenproduktivität zu erhöhen

Leistungsfähige APS- und SCP-Systeme berechnen für alle Produktionsaufträge (Endmontage, Vormontage, Teilefertigung, …) das richtige Produktions-Timing tages-/stunden-/minutengenau. Dafür werden Stammdaten (Arbeitspläne, Stücklisten, Kundenaufträge, Produktionsaufträge, Materialbestände, Einkaufsplan, …) erst vom ERP-System in das Planungssystem importiert, dort unter Berücksichtigung aller Regeln und Restriktionen für Produkte, Prozesse und Ressourcen „verarbeitet“ und dann die optimierten Planungsergebnisse in das ERP-System zurück geschrieben. Erst auf dieser Grundlage kann eine korrekte MRP-Berechnung erzielt werden.

Ohne korrekte Ausgangsbasis (realistische und optimale Produktionsstarts) für die MRP-Berechnung gibt es keine Möglichkeit, dem Dilemma „hohe Bestände und gleichzeitig Fehlteile“ zu entkommen – trotz vielfältiger Bemühungen wie Lieferantenmanagement, häufige Inventur oder Einführung neuer ERP- oder MES-Systeme, etc.

 

Lagerbestände mit einem orchestrierenden End-to-End APS und SCP optimieren

Asprova APS und SCP wurden in Kooperation mit Unternehmen entwickelt, die weltweit auf höchstem Lean Niveau produzieren. Mehrere unserer Kunden haben eine außerordentlich hohe Materialumschlagshäufigkeit. Das zeugt unter anderem von äußerst genauen und realistischen Planungen mit Asprova.

 

Autor:
Keiji Fujii, geschäftsführender Gesellschafter
Asprova AG,

www.asprova.eu

 

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