Go to Gemba und frage 5-mal Warum

Veröffentlicht am 02. November 2020

In der heutigen Zeit wird viel über KI und Industrie 4.0 gesprochen. Viele weltbekannte internationale Unternehmen erstellen ihre Produktionspläne aber immer noch manuell in Excel. Soll die Hauptaufgabe der Produktionsplanung, nämlich die gesamten Produktionsaktivitäten zu synchronisieren und maximale Effizienz anzustreben, weiterhin manuell bewerkstelligt werden?


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Ist sich das Management der Probleme bewusst?

Es gibt Hunderte oder mehr Regeln und Restriktionen hinsichtlich Kundenvereinbarungen, Produktionsprozesse und in der Supply Chain, und es ist unmöglich, einen komplexen Prozessplan unter Berücksichtigung aller Regeln manuell zu berechnen. Infolgedessen hat sich das altbekannte leidige Problem vieler Unternehmen mit häufigen Fehlteilen, Stagnation von Halbfertigerzeugnissen, langen Durchlaufzeiten und hohen Lagerbeständen nicht wesentlich geändert. Dies sind grundlegende Themen, die sich direkt auf Herstellungskosten, Lieferzeiten, pünktliche Lieferung und Kundenzufriedenheit auswirken.

Dabei sind Stagnation von Halbfabrikaten, nicht-wertschöpfende Zeiten und Probleme aufgrund von Fehlteilen beim Besuch der Fabrik (Gemba) sofort erkennbar. Ist sich das Management dieser grundlegenden Probleme nicht bewusst?

 

Go to Gemba

Viele Führungskräfte sind mit täglichen Routinearbeiten beschäftigt – mit häufigen Besprechungen, dem Anhören und Schreiben von Berichten und so weiter. Wenn nur Zahlen und Berichte betrachtet werden und theoretische Diskussionen „am grünen Tisch“ erfolgen, kann selten die wahre Ursache von Problemen erkannt und behoben werden. Der Schlüssel zur Problemlösung liegt in der Gemba (Ort des Geschehens). Daher ermutige ich das Management, die Gemba häufiger zu besuchen, vorzugsweise jeden Tag, um potenzielle und ungelöste Probleme zu bearbeiten, bis sie gelöst sind.

 

Frage mindestens 5-mal Warum

Im klassischen Qualitätsmanagement werden verschiedene wissenschaftliche Tools verwendet, um Probleme zu analysieren und zu lösen. Für Toyota Motor, eines der top Lean Unternehmen weltweit, ist jedoch bis heute das grundlegendste Mittel, um die wahren Problemursachen zu finden, die Fragestellung "5-mal Warum?".

 

Beispiel für 5-mal Warum

  1. Warum erstellen wir die Produktionsplanung manuell in Excel?
    Antwort: Der Output der Planungssoftware, die wir erst vor 3 Jahren eingeführt haben, ist nicht realistisch und somit nicht machbar.
  2. Warum ist der Planungs-Output nicht realistisch und machbar?
    Antwort: Die Produktionsreihenfolge bei allen Produktionsressourcen ist durcheinander und die Prozesssynchronisation sehr mangelhaft. Daher ist auch der berechnete Liefertermin falsch.
  3. Warum ist die Auftragsreihenfolge bei Ressourcen falsch?
    Antwort: Unsere Planungssoftware kann Detailregeln und -restriktionen unserer Prozesse nicht hinreichend abbilden.
  4. Warum haben wir eine so teure und dennoch unbrauchbare Planungssoftware eingeführt?
    Antwort: Wir hatten Angebote von mehreren Anbietern eingeholt und uns am Ende für den Anbieter unseres MES-Systems entschieden.
  5. Warum haben wir nicht nach einem Prototyp gefragt, bevor wir uns für die Software unseres MES-Lieferanten entschieden haben?
    Antwort: Weil das in unserem Unternehmen bei der Auswahl einer Software kein Standardverfahren ist.

Schlussfolgerung / wahre Ursache, weshalb immer noch mit Excel geplant wird: der Standard für den Software-Auswahlprozess ist mangelhaft.

 

Zitat von Taiichi Ohno (Ehemaliger Vizepräsident der Toyota Group, systematisierte das Toyota-Produktionssystem)

„Ich bin ein gründlicher „Gembaist“. Selbst nachdem ich Manager geworden bin, kann ich die Gemba nicht verlassen, die die Hauptinformationsquelle für produzierende Unternehmen darstellt. Ich bin jetzt, da ich Mitglied des Top-Managements bin, möglicherweise noch näher an Gemba.“

 

Autor:
Keiji Fujii, geschäftsführender Gesellschafter
Asprova AG,

www.asprova.eu

 

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