Industrie 4.0 und Produktionsplanung

Veröffentlicht am 05. August 2021
Industrie40_und_Produktionsplanung

Seit mehreren Jahren wird nun von der deutschen Bundesregierung Industrie 4.0 propagiert. Ziel ist die umfassende Digitalisierung und Vernetzung der industriellen Produktion (BMWi: Digitale Transformation in der Industrie). Jedoch: obwohl es heutzutage kaum einen Job gibt, der nicht von moderner Software unterstützt wird oder ganz automatisiert ist, sieht das im Bereich Produktionsplanung anders aus. 99 % der europäischen Produktionsunternehmen, einschließlich weltbekannter Unternehmen, planen in der Praxis immer noch wie vor 30 Jahren – mit Excel bzw. „Papier und Stift“.

 

Reichen ERP, MES, IoT und Automation?

Ein Zukunftsprojekt im Rahmen von Industrie 4.0 ist die sogenannte Smart Factory, in der Fertigungsanlagen und Logistiksysteme autonom – ohne menschliche Eingriffe – untereinander kommunizieren und sich weitgehend selbst organisieren. Ein perfektes Beispiel für ein autonomes System ist der menschliche Körper. (das Gehirn des Unternehmens)

So kann das ERP mit der Funktion des menschlichen Großhirns verglichen werden, welches für das kognitive Erkennen, das Gedächtnis, die „Datenverarbeitung“, das Denken, die Beurteilung und die Entscheidungsfindung verantwortlich ist.

Das MES erfüllt die Rolle des somatischen Nervensystems und ist wichtig für unsere Beziehung zur Außenwelt über Sinnesorgane, Muskeln, Haut. Die Rezeptionsfunktion übermittelt dem Gehirn den Befehl, den Körper als Antwort auf die empfangenen Informationen zu bewegen.

Das IoT erfüllt die Rolle des peripheren Nervensystems und sendet Informationen über ein Kommunikationsnetzwerk im gesamten Körper an das zentrale Nervensystem, während die vom zentralen Nervensystem gesendeten Befehle an jedes Körperteil übermittelt werden.

 

APS Software für Industrie 4.0

Aus meiner Sicht ist ein APS das fehlende Glied zwischen ERP und MES. Eine APS Software erfüllt im Vergleich mit dem menschlichen Körper eine der vielen Funktionen des Zwischenhirns, das als „Tor zum Bewusstsein“ gilt. Es steuert u.a. autonome sympathische und parasympathische Nerven und kommuniziert mit der Großhirnrinde und dem Rückenmark. So kann ein gesunder menschlicher Körper z.B. zielorientierte, harmonische Bewegungen machen.

Für ein Produktionsunternehmen ist das APS genau dieser wichtige Teil des „Gehirns“, um alle Aufträge harmonisch zu fertigen, d.h. via synchrone Prozesse und Produktion die kürzestmögliche Durchlaufzeit zu erreichen. Hierzu werden alle Haupt- und Subressourcen sowie die Materialverfügbarkeit perfekt geplant und gesteuert und das Bestandsmanagement optimiert.

Bevor Produktionsunternehmen das Ideal von Industrie 4.0 konzipieren, ist es dringend notwendig, dass das Top-Management seine gegenwärtigen Methoden und Systeme der Produktionsplanung analysiert und diese infrage stellt. Nicht synchrone Prozesse, lange Produktionsdurchlaufzeit und hohe Bestände werden hauptsächlich durch mangelhafte Produktionsplanung verursacht.

Ein gutes Feinplanungs-Tool erteilt Produktionsaufträge an einzelne Ressourcen mit Vorgaben zum Erzielen der optimalen Reihenfolge. Eine durchgängig aufeinander abgestimmte Reihenfolgeplanung ist wiederum die Voraussetzung für Prozesssynchronisierung. Genauigkeit und korrektes Timing der Reihenfolgeplanung in der Produktion sind für das Just-in-Time Niveau entscheidend. Nur dann kann man von Industrie 4.0 träumen.

 

Der Autor, Keiji FUJII, ist geschäftsführender Gesellschafter der Asprova AG